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Strategischer Neustart: Wie die EU ihren Einfluss im Sahel sichern will

📅 Mar 31, 2026⏱ 3 Min. Lesezeit💬 0 Kommentare

Eine Region im Umbruch: Neue Allianzen im Sahel

Die geopolitische Landkarte der Sahelzone hat sich zwischen 2020 und 2023 durch eine Serie von Militärputschen in Mali, Burkina Faso und dem Niger drastisch verändert. Während sich die europäischen Truppen schrittweise zurückzogen, füllten Russland, China und – insbesondere während der Amtszeit von Donald Trump – auch die USA das Vakuum, um ihre Präsenz auszubauen und mit den neuen Militärregierungen zu kooperieren.

Stabilität hat dieser strategische Wechsel jedoch nicht gebracht. Eine aktuelle Analyse der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) mit dem Titel „Europäische Sahel-Politik: Zurück auf Start“ zeichnet ein düsteres Bild: Die Region leidet weiterhin massiv unter dschihadistischem Terror und grenzüberschreitenden Konflikten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Europa trotz seines geschwundenen Einflusses dringend eine neue Strategie entwickeln muss, um eine weitere Eskalation abzuwenden.

Europas Neuausrichtung: Fokus auf Ghana und Nigeria

Die Europäische Union arbeitet intensiv daran, ihre Rolle auf dem afrikanischen Kontinent neu zu definieren. Im Zentrum stehen dabei Sicherheitspartnerschaften, wirtschaftliche Förderung und die Sicherung kritischer Rohstoffe. „Die Arbeitsplätze müssen in Afrika bleiben“, betonte die EU-Außenbeauftragte und Kommissionsvizepräsidentin Kaja Kallas in einem Exklusiv-Interview mit der DW in der ghanaischen Hauptstadt Accra.

Am 24. März besiegelten die EU und Ghana, ein Nachbarland von Burkina Faso, ihre erste offizielle Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft. Kallas kündigte die Lieferung von militärischer Ausrüstung an, darunter Motorräder, Fahrzeuge, Drohnen und Anti-Drohnen-Systeme. Diese Unterstützung ist Teil eines bereits 2023 aufgelegten EU-Programms im Wert von 50 Millionen Euro.

Gleichzeitig haben sich die von Juntas regierten Sahel-Staaten von ihren westafrikanischen Nachbarn isoliert, indem sie aus der Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS austraten und mit der Allianz der Sahelstaaten (AES) ein eigenes Bündnis schmiedeten.

Mehr als nur Militärhilfe: Ein ganzheitlicher Ansatz

Sicherheit lasse sich nicht allein mit militärischen Mitteln herstellen, unterstrich Kallas. „Wir unterstützen auch einen umfassenderen wirtschaftlichen Ansatz, da es wichtig ist, die tieferen Ursachen der Instabilität anzugehen, die oft mit der Wirtschaft zusammenhängen“, erklärte sie.

Passend zu dieser ganzheitlichen Vision präsentierte die EU am 24. März im Rahmen der Global Gateway Initiative ein Investitionspaket in Höhe von 290 Millionen Euro für Nigeria, das direkt an den Niger grenzt. Die Gelder sollen in Afrikas größter Volkswirtschaft vor allem den Ausbau von Glasfasernetzen, die lokale Medikamentenproduktion, die Landwirtschaft und Migrationsprogramme vorantreiben.

Kallas grenzte die europäische Strategie dabei deutlich vom „Transaktionalismus“ ab – der oft mit der Trump-Regierung assoziierten Politik des kurzfristigen Kuhhandels. Europa setze auf langfristige Beziehungen. „Wir haben versucht, afrikanischen Ländern zu helfen, weil sie unsere Nachbarn sind“, so Kallas. „Die Probleme von heute sind unsere Probleme von morgen. Das ist also sehr eng miteinander verknüpft.“

Rohstoffpartnerschaften und Migrationsrouten

Die neuen AES-Staaten verfügen über immense Bodenschätze: Mali besitzt Gold und Lithium, der Niger Uran, und in Burkina Faso wird Gold abgebaut. Kallas pochte auf „ausgewogene Partnerschaften“ bei Energie und kritischen Rohstoffen. Ohne systemische Rivalen direkt beim Namen zu nennen, machte sie den europäischen Anspruch deutlich: „Wir sind auf eine andere Art interessiert. Wir wollen die Ressourcen nicht ausbeuten. Wir wollen, dass der Nutzen dieser Ressourcen bei den Afrikanern bleibt.“

Durch den Transfer von Technologie will die EU sicherstellen, dass Wertschöpfung und Jobs vor Ort entstehen. Denn wirtschaftliche Perspektiven mindern Instabilität und dämpfen den Migrationsdruck in Richtung Europa. „Es liegt also wirklich in unserem Interesse, dass die afrikanischen Länder prosperieren“, resümierte Kallas.

Das Thema Migration bleibt für Europa drängend. Ulf Laessing, Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Mali, verwies auf die geografische Schlüsselfunktion der Region: „Es gehen zwei Haupt-Migrationsrouten aus Subsahara-Afrika durch die Sahel-Länder, eine von Mali über Mauretanien auf die Kanarischen Inseln, eine von Niger über Libyen Richtung Italien.“ Mit Blick auf das europäische Engagement folgerte Laessing: „Deswegen können wir uns eigentlich nicht leisten, hier...“

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