Brüssel bereitet sich auf einen schweren Energieschock vor, da der anhaltende Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran die globalen Märkte massiv erschüttert. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen kündigte an, dass die Europäische Union Notfallpläne ausarbeite, die an die Krisenmaßnahmen zu Beginn des Russland-Ukraine-Krieges im Jahr 2022 anknüpfen.
Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Militäroperation gegen den Iran am 28. Februar sind die europäischen Erdgaspreise um mehr als 70 Prozent in die Höhe geschnellt. Als Reaktion darauf ziehe die EU laut Jørgensen Preisbremsen bei Netzentgelten und Stromsteuern in Betracht. Ähnlich wie 2022, als Preisdeckel für Gas und Übergewinnsteuern für Energiekonzerne eingeführt wurden, stellt sich Brüssel auf eine längere Phase der Instabilität ein.
Zwar ist Europas Versorgung mit Rohöl und Erdgas durch die Blockade der Straße von Hormus nicht unmittelbar gefährdet, da diese Energieträger aus anderen Regionen bezogen werden. Kurzfristig wächst jedoch die Sorge um raffinierte Produkte wie Diesel und Kerosin – rund 15 Prozent des europäischen Kerosins stammen aus dem Nahen Osten. Jørgensen warnte zudem, dass selbst ein schneller Friedensschluss den Markt nicht sofort beruhigen würde, da wichtige Energieinfrastrukturen in der Krisenregion bereits zerstört seien.
Die strategisch extrem wichtige Straße von Hormus bleibt ein gefährliches Nadelöhr für die weltweite Schifffahrt. Der Iran hat seine Angriffe auf benachbarte Golfstaaten intensiviert: In Kuwait wurden Treibstofftanks am Flughafen durch Drohnen zerstört, vor der Küste Katars geriet ein Tanker unter Beschuss. Diese Attacken haben den maritimen Handel durch die Meerenge nahezu vollständig zum Erliegen gebracht.
Wie das "Wall Street Journal" berichtet, drängen die Vereinigten Arabischen Emirate die USA sowie europäische und asiatische Verbündete dazu, eine militärische Koalition zu bilden, um die Straße von Hormus gewaltsam wieder zu öffnen. Emiratische Diplomaten fordern demnach ein Mandat des UN-Sicherheitsrates. Militärexperten warnen jedoch vor den enormen Risiken eines solchen Einsatzes, da Kriegsschiffe in der engen Wasserstraße ein leichtes Ziel für schnelle Angriffe vom iranischen Festland aus wären.
Trotz der massiven Störungen des Seehandels wies US-Präsident Donald Trump die Verantwortung für die Öffnung der Wasserstraße zurück. Die USA hätten mit dem Problem "nichts zu tun", erklärte er im Weißen Haus. Trump geht davon aus, dass die US-Militärschläge im Iran in zwei bis drei Wochen beendet sein werden, mit dem klaren Ziel, Teherans nukleare Fähigkeiten zu zerstören. "Wenn wir das Gefühl haben, dass sie für lange Zeit in die Steinzeit zurückversetzt sind und keine Atomwaffe entwickeln können, dann werden wir gehen", so Trump. Einen Deal mit der iranischen Führung schloss er als "irrelevant" aus.
In Jerusalem zeigte sich Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zuversichtlich, dass die iranische Regierung früher oder später stürzen werde. "Das Ajatollah-Regime im Iran ist schwächer denn je", betonte er. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte hingegen gegenüber Al Jazeera, dass Teheran noch keine Entscheidung über mögliche Verhandlungen getroffen habe. Das Vertrauen in die USA liege "bei null".
Angesichts der eskalierenden Gewalt richtete Papst Leo XIV. nach der Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz einen eindringlichen Friedensappell an die Welt. Er forderte US-Präsident Trump und alle Staats- und Regierungschefs auf, noch vor dem Osterfest an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Lasst den Krieg endlich enden", mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche.
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