Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit Äußerungen, die Gewalt gegen Frauen in einen direkten Zusammenhang mit Migration stellen, erneut eine intensive politische Debatte entfacht. In einer Sitzung des Bundestags am 25. März 2026 thematisierte Merz geschlechtsspezifische Gewalt und sprach von einer „explodierenden Gewalt“ in der Gesellschaft, sowohl im analogen als auch im digitalen Raum. Dabei betonte er, dass man ansprechen müsse, „dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer“ stamme.
Hintergrund der aktuellen parlamentarischen Diskussion ist der medial vielbeachtete Fall der Schauspielerin Collien Fernandes. Sie wirft ihrem Ex-Mann vor, pornografische Deepfakes von ihr erstellt und im Internet verbreitet zu haben. Obwohl der Anwalt des Ex-Mannes diese Vorwürfe entschieden zurückwies, rückte der Vorfall das wachsende Problem der digitalen sexualisierten Gewalt in den Fokus der Öffentlichkeit. Merz nutzte die Debatte, um auf breitere Sicherheitsprobleme hinzuweisen. Bereits im vergangenen Herbst hatte der Kanzler für Aufsehen gesorgt, als er „Probleme im Stadtbild“ mit Migration verknüpfte und Kritikern riet: „Fragen Sie mal Ihre Töchter.“
Nimmt die Gewalt gegen Frauen in Deutschland tatsächlich derart drastisch zu? Eine Analyse aktueller Daten des Bundeskriminalamts (BKA) zeigt, dass die Prämisse des Kanzlers bezüglich eines Gewaltanstiegs – insbesondere bei Delikten, die primär Frauen betreffen – faktisch korrekt ist.
Trotz des klaren Aufwärtstrends in den offiziellen Statistiken mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten. Katharina Schüller, Vorstandsmitglied der Deutschen Statistischen Gesellschaft, betont, dass die BKA-Zahlen lediglich die angezeigten Taten widerspiegeln. „Es gibt ein riesengroßes Dunkelfeld“, erklärt Schüller und verweist darauf, dass Daten von Frauenhäusern ein umfassenderes Bild liefern könnten.
Zudem weist die Kriminologin Susanne Karstedt auf gesellschaftliche Veränderungen hin. Durch Fortschritte bei der Gleichstellung und eine stärkere Sensibilisierung für häusliche Gewalt seien Frauen heute eher bereit, Taten zur Anzeige zu bringen. Der statistische Anstieg könnte somit zumindest teilweise auf eine erhöhte Anzeigebereitschaft zurückzuführen sein und nicht ausschließlich auf eine absolute Zunahme der Gewalttaten selbst.
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