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Französisches Gericht verurteilt Kapitän von russischem „Schattenflotten“-Tanker zu Haftstrafe

📅 Mar 30, 2026⏱ 2 Min. Lesezeit💬 0 Kommentare

Verurteilung in Abwesenheit

Ein Strafgericht im französischen Brest hat den 39-jährigen chinesischen Kapitän des russischen Tankers Boracay zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Chen Zhangjie, der bei der Urteilsverkündung am Montag nicht anwesend war, wurde zudem mit einer Geldstrafe von 150.000 Euro belegt, und es wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Das Urteil entspricht den Forderungen der Staatsanwaltschaft aus der Anhörung vom 23. Februar.

Konfrontation auf hoher See

Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Vorfall vom 27. September 2025. Damals versuchte die französische Marine, das 244 Meter lange Schiff in internationalen Gewässern nahe der Insel Ouessant zu inspizieren. Laut dem stellvertretenden Staatsanwalt Gabriel Rollen sahen sich die französischen Einsatzkräfte „mit besonderer Feindseligkeit seitens des Kapitäns konfrontiert“. Dies habe sie zu einem „gefährlichen Manöver gezwungen, das zu einem Unfall hätte führen können“.

Der Tanker, der als Teil der russischen „Schattenflotte“ europäischen Sanktionen unterliegt, transportierte russisches Öl nach Indien. Bevor die französischen Kräfte an Bord gingen, hisste das Schiff, das zuvor keine sichtbare Flagge geführt hatte, eine falsche Flagge Benins. Zudem befanden sich zwei Mitarbeiter einer russischen privaten Sicherheitsfirma an Bord, deren Aufgabe es war, die Besatzung zu überwachen und nachrichtendienstliche Informationen zu sammeln.

Verteidigung und diplomatische Brisanz

Während des Prozesses plädierte der Verteidiger Henri de Richemont auf Freispruch. Er argumentierte, dass der Vorfall gemäß dem UN-Seerechtsübereinkommen in internationalen Gewässern stattfand und Chen Zhangjie daher vor ein chinesisches und nicht vor ein französisches Gericht gestellt werden müsse.

Das Schiff, das inzwischen in Phoenix umbenannt wurde und nun unter russischer Flagge fährt, stand bereits zuvor im Fokus der Behörden. Nach der Durchsuchung im vergangenen Jahr vor der französischen Westküste spekulierten Medien über eine mögliche Verbindung des Tankers zu Vorfällen mit unidentifizierten Drohnen. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte damals, dass die Boracay schwerer Vergehen verdächtigt werde, lehnte jedoch eine Stellungnahme zu einer möglichen Verwicklung in Drohneneinsätze ab.

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