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Kanzler Merz in der Kritik: Plan zur Rückkehr von 800.000 Syrern stößt auf massiven Widerstand

📅 Apr 1, 2026⏱ 3 Min. Lesezeit💬 0 Kommentare

Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seiner unerwarteten Ankündigung, dass etwa 80 Prozent der derzeit in Deutschland lebenden Syrer innerhalb der nächsten drei Jahre in ihre Heimat zurückkehren sollen, weitreichende innenpolitische Kritik auf sich gezogen. Der ambitionierte Plan, der fast 800.000 Menschen betreffen würde, stößt bei politischen Verbündeten, der Opposition und Experten aus dem Gesundheitswesen gleichermaßen auf sofortige Skepsis.

Eine umstrittene Ankündigung

Die brisante Äußerung fiel fast beiläufig während einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag in Berlin, im Anschluss an das erste Treffen von Merz mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Auf die Frage eines Journalisten nach Rückführungsplänen erklärte Merz: „In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre – das ist der Wunsch von Präsident al-Scharaa gewesen – sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurückkehren in ihr Heimatland.“

Dieses Ziel würde die Rückführung der großen Mehrheit der rund 950.000 syrischen Staatsbürger bedeuten, die sich derzeit in Deutschland aufhalten. Viele dieser Menschen flohen vor dem Bürgerkrieg, der Syrien 15 Jahre lang verwüstete, bevor das Regime von Baschar al-Assad Ende 2024 stürzte. Der derzeitige Übergangsführer al-Scharaa, der zuvor militante islamistische Gruppen anführte, hat den starken Wunsch geäußert, dass seine Landsleute zurückkehren und beim Wiederaufbau der Nation helfen.

Parteiübergreifender Gegenwind und Sorgen im Gesundheitswesen

Der schiere Umfang und der enge Zeitrahmen der vorgeschlagenen Rückkehr haben Politiker über alle Parteigrenzen hinweg alarmiert. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) kritisierte das Vorgehen des Kanzlers und erklärte, es sei „keine kluge Idee“, konkrete Zahlen und Zeiträume in den Raum zu stellen, da dies Erwartungen wecke, die womöglich nicht erfüllt werden könnten. Auch innerhalb von Merz' eigener konservativer CDU warnte der Außenpolitiker Roderich Kiesewetter, das Signal solcher Zahlen sei höchst problematisch, insbesondere im Hinblick auf den drohenden Verlust von dringend benötigtem medizinischem Personal. „Wenn diese zurückkehren, haben wir eine Herausforderung“, betonte Kiesewetter.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) schloss sich diesen dringenden Bedenken an. DKG-Vizechefin Henriette Neumeyer hob die entscheidende Rolle syrischer medizinischer Fachkräfte hervor, die die größte Gruppe ausländischer Ärzte in Deutschland bilden. Angesichts von 5.745 syrischen Ärztinnen und Ärzten, die Ende 2024 in deutschen Krankenhäusern arbeiteten, warnte Neumeyer, dass diese „eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung“ hätten.

Merz selbst erkannte diesen Vorbehalt während der Pressekonferenz an und stellte klar, dass gut integrierte Fachkräfte – insbesondere Ärzte und Pflegepersonal – gerne bleiben dürfen. „Wir haben ein Interesse daran, dass diejenigen, die bei uns leben, hier bleiben wollen, gut integriert sind [...] dass diese Menschen auch durchaus in Deutschland bleiben“, sagte Merz, betonte jedoch gleichzeitig, dass Syrien seine Bürger ebenfalls dringend in der Heimat benötige.

Die Realität von Integration und Sicherheit

Obwohl die Bundesregierung den syrischen Bürgerkrieg nach dem Sturz Assads als faktisch beendet ansieht, bleiben die Realitäten einer Rückführung komplex. Die meisten syrischen Flüchtlinge in Deutschland haben einen subsidiären Schutzstatus, der nur so lange gilt, wie ihnen in ihrer Heimat Schaden durch Krieg oder Katastrophen droht. Seit 2016 haben jedoch bereits etwa 250.000 Syrer die deutsche Staatsbürgerschaft erworben und sind tief in die deutsche Gesellschaft integriert.

Vertreter der Opposition verurteilten die Äußerungen des Kanzlers scharf. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg nannte die Ankündigung „nicht nur realitätsfern, sondern zynisch“ und argumentierte, sie ignoriere sowohl „die fragile Sicherheitslage in Syrien, sondern auch die Tatsache, dass viele syrische Geflüchtete längst Teil unserer Gesellschaft sind“. Der Migrationsanwalt Osman tat den weitreichenden Rückführungsvorschlag in ähnlicher Weise als „Szenario ohne Grundlage“ ab.

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