Auf einer mehr als einwöchigen Reise entlang des westlichen Pazifikrandes hat der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius eindringlich für den Erhalt der regelbasierten internationalen Ordnung geworben. Seine Stationen in Japan, Singapur und Australien unterstrichen einen wachsenden Konsens: Die Sicherheit Europas und des Indopazifiks sind untrennbar miteinander verbunden.
Diese Botschaft stieß in Canberra auf große Resonanz, wo der australische Vizepremier und Verteidigungsminister Richard Marles Pistorius am 26. März 2026 empfing. „Wir respektieren die Herrschaft des Rechts national und international“, erklärte Marles auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Parlament. „Die regelbasierte Ordnung ist unseren beiden Ländern außerordentlich wichtig.“
Pistorius betonte die unausweichlichen Realitäten der Globalisierung. „Die heutige Welt ist immer stärker miteinander vernetzt. Tag für Tag. Ob es uns gefällt oder nicht“, so der Minister. „Konflikte, Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen – sie treten in einer Region der Welt auf, doch ihre Ursachen können in einer weit entfernten anderen Region liegen.“
Jenseits der diplomatischen Routine signalisierte die Reise auch die Suche Deutschlands nach einer neu definierten globalen Rolle. In einer Rede im National Press Club of Australia forderte Pistorius die Staatengemeinschaft auf, sich von der exklusiven Fixierung auf Supermächte zu lösen. „Wir sollten unseren Fokus ändern und nicht länger darauf schauen: Was tut China, was tut Russland, was tun die USA?“, argumentierte er. „Sie sind die Supermächte der Welt, aber alle Mittelmächte gemeinsam – wenn sie zusammenhalten, verlässlich sind und sich zu ihren Ziele bekennen –, sind mindestens ebenso stark wie diese. Das erfordert Einheit und Entschlossenheit. In diesem Rahmen können wir viel erreichen.“
Er warnte vor einer von Angst getriebenen Außenpolitik und verglich eine solche Dynamik mit einer „toxischen Partnerschaft“. Pistorius betonte: „Wer sich immer nur auf seinen Gegner bzw. Partner konzentriert, handelt nie souverän. Man ist manipuliert von Furcht. Und Entscheidungen auf der Basis von Furcht sind immer falsch.“
Die strategische Ausrichtung zeigte sich auch in der rüstungstechnologischen Zusammenarbeit. Während seines Aufenthalts in Australien ließ sich Pistorius auf der RAAF Base Amberley nahe Brisbane die Fähigkeiten der Drohne MQ-28 Ghostbat erläutern und unternahm gemeinsam mit dem australischen Rüstungsminister Pat Conroy eine Probefahrt im Radpanzer „Boxer“ von Rheinmetall.
Gleichwohl räumte Pistorius ein, dass eine tragfähige internationale Ordnung weiterhin die Einbindung der Supermächte erfordert, wenngleich sich deren Schwerpunkte verändern müssten. Entscheidend sei jedoch, ein inklusiveres System zu schaffen, das den Globalen Süden stärker einbindet. Mit Blick auf die Forderungen von Ländern wie Indien, Indonesien, Südafrika und der Türkei nach einer gerechteren globalen Machtstruktur stellte er fest: „Ich glaube auch, dass die Länder des globalen Südens über einen anderen Einfluss, den sie nachvollziehbarerweise gerne hätten, nachdenken. Die Frage ist, wie man das gewährleistet.“
Dies knüpft an Pistorius' diplomatische Bemühungen in Indien und Indonesien im Jahr 2023 an. Zwar sieht sich Indien laut einer aktuellen Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) mit dem Titel „Multipolaritäten“ als „Sachwalter des globalen Südens“. Doch seine historisch bedingte Abneigung gegen ausländische Einmischung zeigt, dass der Aufbau dieser neuen, inklusiven Weltordnung noch viel diplomatische Feinarbeit erfordern wird.
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