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Deutschland und Japan vertiefen militärische Kooperation angesichts neuer Sicherheitslage

📅 Mar 30, 2026⏱ 3 Min. Lesezeit💬 0 Kommentare

Eine symbolträchtige Reise

Die veränderte globale Sicherheitslage spiegelte sich bereits in der Flugroute von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius wider. Um den russischen Luftraum zu umgehen, musste sein Airbus A350 „Konrad Adenauer“ über das Europäische Nordmeer und zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und dem US-Bundesstaat Alaska hindurch nach Tokio fliegen. Dieser Umweg unterstreicht die tiefgreifenden geopolitischen Veränderungen, die Deutschland und Japan zu einer beispiellosen militärischen Zusammenarbeit drängen.

Auf dem Marinestützpunkt Yokosuka – dem Hauptquartier der 7. US-Flotte – traf Pistorius seinen japanischen Amtskollegen Shinjiro Koizumi. Beide Politiker betonten die Dringlichkeit gemeinsamen Handelns in einer von Konflikten geprägten Zeit. „Die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit ist zwischen gleichgesinnten Ländern wie Japan und Deutschland heute größer denn je“, erklärte Koizumi und wies darauf hin, dass es für einzelne Staaten kaum noch möglich sei, globale Krisen im Alleingang zu bewältigen.

Pistorius pflichtete ihm bei: „Auch wenn zwischen unseren Ländern 9000 Kilometer Luftlinie liegen, so gilt für uns beide doch gleichermaßen die Überzeugung. Es gilt die Stärke des Rechts.“ Beide Minister hoben die gemeinsamen Werte hervor, insbesondere die Wahrung des Völkerrechts und die Freiheit der Seewege.

Vom Nachkriegspazifismus zur modernen Verteidigung

Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs entwickelten sich sowohl Deutschland als auch Japan zu gefestigten Demokratien mit streng begrenzten militärischen Mandaten. Die Bundeswehr wurde 1955 als Verteidigungsarmee von „Staatsbürgern in Uniform“ gegründet, während sich Japan eine pazifistische Verfassung gab und lediglich Selbstverteidigungsstreitkräfte unterhält. Jahrzehntelang verließen sich beide Nationen stark auf die Sicherheitsgarantien und den atomaren Schutzschirm der USA.

Das 21. Jahrhundert brachte jedoch neue Bedrohungen mit sich. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ab 2022 und Chinas zunehmende Hegemonialbestrebungen im asiatisch-pazifischen Raum haben die strategischen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Zudem steht die Verlässlichkeit der US-Sicherheitsgarantien infrage, seit Donald Trump 2025 erneut ins Weiße Haus eingezogen ist.

Strategische Neuausrichtung: Zeitenwende und Artikel 9

Als Reaktion auf diese vernetzten Bedrohungen in Europa und dem Indopazifik überarbeiten Berlin und Tokio ihre Verteidigungsstrategien. Deutschland treibt die 2022 vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufene „Zeitenwende“ weiter voran, die massive nationale Kraftanstrengungen und erhöhte Sicherheitsinvestitionen erfordert.

Gleichzeitig rückt Japan schrittweise von seiner strikt pazifistischen Doktrin ab. Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi strebt eine Änderung von Artikel 9 der Verfassung an, der den Verzicht auf Krieg „für alle Zeiten“ vorschreibt. Zudem plant ihre Regierung, die Verteidigungsausgaben auf mindestens zwei Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts anzuheben.

Praktische Schritte und Rüstungskooperation

Obwohl die geografische Distanz eine direkte militärische Unterstützung im Krisenfall einschränkt, bauen beide Länder ihre praktische Zusammenarbeit durch gemeinsame Übungen von Marine, Luftwaffe und Sanitätswesen aus. Ein zentraler Baustein ist das sogenannte Acquisition and Cross-Servicing Agreement (ACSA), das es den Streitkräften ermöglicht, sich gegenseitig mit Treibstoff, Nachschub und Logistik zu unterstützen. Japan unterhält ACSA-Abkommen mit acht Ländern: Deutschland, den USA, Australien, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Indien.

Für die Zukunft sucht Deutschland nach weiteren Kooperationsfeldern. Pistorius kündigte an, mit Japan über abgestimmte Rüstungsprojekte sprechen zu wollen, da Sicherheit und Verteidigung nicht nur eine politische, sondern auch eine industrielle Dimension erfordern.

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