Während anhaltende Luftangriffe die iranische Hauptstadt erschüttern, kämpft die Zivilbevölkerung an zwei Fronten: gegen die physische Zerstörung eines eskalierenden Krieges und gegen ein massives, staatlich verordnetes Informationsvakuum. Seit Ausbruch des Konflikts am 28. Februar haben die Behörden das Internet weitgehend lahmgelegt und Millionen Menschen von der Außenwelt isoliert.
Am Donnerstagabend erlebte Teheran eine schwere Angriffswelle. Anwohner berichteten von tieffliegenden Kampfjets und gewaltigen Detonationen, die durch die Stadt hallten. Am frühen Freitagmorgen bestätigte das israelische Militär, gezielte Schläge "im Herzen Teherans" durchgeführt zu haben, die sich spezifisch gegen "Infrastruktur des iranischen Regimes" richteten.
Die geopolitische Lage bleibt äußerst volatil. US-Präsident Donald Trump verschob kürzlich sein Ultimatum zur Zerstörung iranischer Energieanlagen – eine Drohung, die als Reaktion auf die Blockade der Straße von Hormus ausgesprochen wurde. Angesichts Tausender US-Soldaten, die in den Nahen Osten verlegt wurden, ist eine Bodenoffensive gegen den Iran jedoch nicht ausgeschlossen. Im Gegenzug erklärte Teheran, am Donnerstag Vergeltungsschläge mit Raketen und Drohnen auf Israel sowie US-Stützpunkte in mehreren Golfstaaten verübt zu haben. Das iranische Staatsfernsehen sendet derweil Durchhalteparolen und behauptet, das Land stehe kurz davor, seine Feinde zu besiegen und den Krieg zu beenden.
Trotz der staatlichen Siegesrhetorik ist das Vertrauen der Bevölkerung in den staatlichen Rundfunk kollabiert. "Wir schauen kein staatliches Fernsehen mehr, und ich kenne kaum jemanden, der das noch tut", teilte ein Bewohner Teherans in einer der wenigen noch erreichbaren Chatgruppen mit. Ein anderer fügte hinzu: "Sie senden nur für sich selbst und ihre Anhänger."
Statistiken unterstreichen diese harte Realität. Laut einer Umfrage der Iranian Students Polling Agency vom Juni 2025 – also noch vor dem aktuellen Krieg – informierten sich nur noch 12,5 Prozent der Bürger über die Nachrichten der staatlichen Sendeanstalt IRIB. Dies markiert einen dramatischen Absturz im Vergleich zu 51 Prozent im Jahr 2017. Selbst eine massive Budgeterhöhung für IRIB um rund 50 Prozent im März 2025 konnte das öffentliche Vertrauen offenbar nicht wiederherstellen.
Um die digitale Blockade zu umgehen, weichen Iraner auf persischsprachige Auslandsmedien, internationale Sender und offiziell verbotene soziale Netzwerke wie Instagram aus, das rund 24 Millionen lokale Nutzer zählt. Da der herkömmliche Internetzugang gekappt ist, sind Virtual Private Networks (VPNs) zu einer lebenswichtigen Verbindung geworden. Diese erfordern nun jedoch häufig Satelliteninternet-Systeme wie Starlink, um überhaupt zu funktionieren. Aus dieser Verzweiflung heraus ist ein lukrativer Schwarzmarkt entstanden, auf dem VPN-Zugänge bis zum Zehnfachen des Normalpreises gehandelt werden.
Die Nutzung von Satelliteninternet birgt jedoch immense Risiken. Das Geheimdienstministerium hat bereits hunderte Starlink-Systeme in verschiedenen Regionen beschlagnahmt. Der Internetexperte Keyvan Samadi erklärte, dass Starlink-Geräte Signale aussenden, um sich mit Satelliten zu verbinden. Sicherheitskräfte nutzen spezielle Ortungstechnik und Funkgeräte, um den ungefähren Standort dieser Signale zu ermitteln. Medienberichten zufolge wurden in mehreren Städten bereits hunderte Bürger verhaftet, weil sie versuchten, Zugang zum freien Internet zu erhalten.
Die menschlichen Kosten dieses Krieges, der am 28. Februar mit Luftangriffen der USA und Israels begann, steigen parallel zu den zivilen Opfern und den flächendeckenden Zerstörungen stetig an. Dennoch bezeichnen viele Iraner die Internetsperre als die schwerste psychische Belastung, der sie derzeit ausgesetzt sind.
Trotz geschlossener Geschäfte und wachsender finanzieller Not geben die Bürger weiterhin exorbitante Summen für VPNs aus. Die Unmöglichkeit, mit Familienmitgliedern zu kommunizieren, die aus den Großstädten geflohen sind, gepaart mit der beängstigenden Ungewissheit über unmittelbare physische Gefahren im eigenen Umfeld, hat eine unerträgliche Atmosphäre der Angst und Isolation geschaffen.
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