In einem Schritt, der die durch den anhaltenden Iran-Krieg verursachten schweren globalen wirtschaftlichen Belastungen lindern könnte, hat Teheran seine De-facto-Blockade der Straße von Hormus teilweise aufgehoben. Die strategisch wichtige Wasserstraße, über die in Friedenszeiten etwa 20 Prozent der weltweiten Transporte von Rohöl und Flüssigerdgas (LNG) abgewickelt werden, ist nun für „nicht-feindliche“ Handelsschiffe wieder passierbar.
Laut einer Erklärung des iranischen Außenministeriums, die am Sonntag von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) der UN verbreitet wurde, dürfen Schiffe, die „weder an Aggressionshandlungen gegen den Iran teilnehmen noch diese unterstützen“, die Meerenge wieder durchqueren. Voraussetzung ist die Einhaltung bestimmter Sicherheitsvorschriften und die Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Die Öffnung zeigt bereits praktische Wirkung: Ein thailändischer Öltanker der Bangchak Corporation konnte die Wasserstraße erfolgreich und gebührenfrei passieren, wie thailändische Regierungsvertreter bestätigten.
Nach der Ankündigung erklärte der chinesische Reederei-Riese Cosco, er werde mit sofortiger Wirkung wieder Frachtbuchungen für Ziele wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Kuwait und den Irak annehmen. Dies bringt Erleichterung für Hunderte von Frachtschiffen, die im Persischen Golf festsaßen.
Während die Lockerung der Blockade auf eine mögliche Deeskalation hindeutet, gehen die diplomatischen Darstellungen aus Washington und Teheran stark auseinander. US-Präsident Donald Trump behauptete kürzlich, dass die Verhandlungen mit dem Iran zur Beendigung der Feindseligkeiten „gut“ verliefen. Gegenüber Journalisten im Weißen Haus erklärte Trump, seine Regierung spreche mit „den richtigen Leuten“ und deutete eine „neue Führung“ in der Islamischen Republik an.
Teheran wies diese Behauptungen jedoch kategorisch zurück. Ebrahim Solfakari, Sprecher des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija – das im Kriegsfall die operative Führung der iranischen Streitkräfte bündelt – verspottete die US-Aussagen. „Eure (eigenen) Konflikte haben die Stufe erreicht, dass ihr mit euch selbst verhandelt“, erklärte Solfakari und wies Berichte über bilaterale Waffenstillstandsgespräche zurück.
Medienberichten von Axios und der New York Times zufolge hat die Trump-Administration Teheran über pakistanische Vermittler einen umfassenden 15-Punkte-Friedensplan vorgelegt. Der Vorschlag fordert demnach den Abbau wichtiger iranischer Atomanlagen, einen Stopp der Urananreicherung und der Produktion ballistischer Raketen, die Übergabe bestehender Bestände an angereichertem Uran sowie die dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus. Im Gegenzug boten die USA an, die strengen Wirtschaftssanktionen zu lockern.
Der Iran hat diesen Vorschlag unmissverständlich abgelehnt. Ein Regierungsvertreter wurde im staatlichen Fernsehen mit den Worten zitiert: „Der Krieg endet, wenn der Iran beschließt, ihn zu beenden – und nicht, wenn Trump es will.“
Trotz der Ablehnung bleiben die diplomatischen Kanäle aktiv. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif bestätigte die Bereitschaft seines Landes, möglicherweise noch Ende dieser Woche einen Gipfel in Islamabad auszurichten. Adam Weinstein vom Quincy Institute in Washington verwies auf die „ungewöhnliche Glaubwürdigkeit“ Pakistans als Vermittler. Im Gegensatz zu Golfstaaten wie Katar beherberge Pakistan keine US-Militärstützpunkte, verfüge selbst über eine starke Armee und unterhalte direkte, funktionierende Beziehungen sowohl zu Washington als auch zu Teheran.
Inmitten der diplomatischen Manöver verstärken die USA weiterhin ihre militärische Präsenz in der Region. Das Pentagon hat die Verlegung zusätzlicher Truppen der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten angeordnet. Während die Washington Post von rund 3.000 Soldaten berichtete, nannte die New York Times eine Zahl von etwa 2.000. Dieser zweigleisige Ansatz – das Angebot von Gesprächen bei gleichzeitiger Aufstockung der Truppen – unterstreicht die volatile und unvorhersehbare Natur des anhaltenden Konflikts.
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