Bei einem historischen eintägigen Besuch in Monaco hat Papst Leo XIV. die wohlhabenden Einwohner des Fürstentums nachdrücklich dazu aufgerufen, ihren Reichtum, ihren Einfluss und ihren katholischen Glauben für das Gemeinwohl einzusetzen. Es ist das erste Mal in der Neuzeit, dass ein amtierender Pontifex den kosmopolitischen Stadtstaat besucht.
In seiner Ansprache vom Balkon des Fürstenpalastes wandte sich der aus den USA stammende Papst an eine jubelnde Menge und übermittelte eine eindringliche Botschaft zur globalen Verantwortung. Er warnte davor, dass die Welt derzeit unter der „Zurschaustellung von Macht und der Logik des Machtmissbrauchs“ leide, was der Menschheit Schaden zufüge und den Frieden gefährde. Das Privileg, in Monaco zu leben, gehe mit der moralischen Verpflichtung einher, sich für Benachteiligte zu engagieren.
Monaco, weltweit als Steueroase für die Elite bekannt, beheimatet Bürger aus rund 150 Nationen. Der Papst betonte, dass dieser vielfältige Mikrokosmos aus einer lebendigen einheimischen Minderheit und einer großen Mehrheit internationaler Einwohner bestehe, von denen viele über erheblichen wirtschaftlichen und finanziellen Einfluss verfügten. „Hier zu leben stellt für einige ein Privileg dar und für alle eine besondere Aufforderung, sich nach dem eigenen Platz in der Welt zu fragen“, erklärte das Kirchenoberhaupt und forderte die Finanzwelt auf, Gerechtigkeit in den Mittelpunkt zu stellen.
Der Papst wurde im Palast offiziell von Fürst Albert II., Fürstin Charlène und ihren Kindern Gabriella und Jacques sowie weiteren Mitgliedern der Familie Grimaldi empfangen. In einer öffentlichen Ansprache bedankte sich Fürst Albert für den Besuch und würdigte die jahrhundertelangen Verbindungen zwischen Monaco und der katholischen Kirche. Das Fürstentum ist eines der wenigen Länder weltweit, in denen der Katholizismus Staatsreligion ist; mehr als 80 Prozent der monegassischen Bevölkerung sind katholisch.
Diese Reise stellt einen bedeutenden diplomatischen und religiösen Meilenstein dar. Der letzte päpstliche Zwischenstopp in dem Mittelmeerstaat liegt fast fünf Jahrhunderte zurück, als Paul III. im Jahr 1538 nach Friedensverhandlungen in Nizza dort Halt machte. Der Kurzbesuch ist erst die zweite Auslandsreise von Papst Leo XIV. seit seinem Amtsantritt im Mai 2025, nach einer sechstägigen Reise in die Türkei und den Libanon Ende November.
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