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"Nur die Spitze des Eisbergs": Ärzte ohne Grenzen verurteilt systematische sexuelle Gewalt im Sudan

📅 Mar 31, 2026⏱ 3 Min. Lesezeit💬 0 Kommentare

In einem eindringlichen Appell hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) die Konfliktparteien im Sudan aufgefordert, sexuelle Gewalt nicht länger als Kriegswaffe einzusetzen. Vor Journalisten in der kenianischen Hauptstadt Nairobi betonte MSF-Krisenkoordinatorin Myriam Laaroussi, dass die dokumentierten Fälle nur "die Spitze des Eisbergs" seien. Sie forderte ein sofortiges Ende der Praxis, "den Krieg auf Körpern der Frauen auszutragen".

Erschreckendes Ausmaß der Gewalt

Zwischen Januar 2024 und November 2025 behandelten medizinische Einrichtungen von MSF in Nord- und Süd-Darfur knapp 3.400 Überlebende sexueller Gewalt. Laut dem jüngsten Bericht der Hilfsorganisation gehören die Täter überwiegend den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) und verbündeten Milizen an. Die Gewalt richtet sich gezielt gegen Frauen aus nichtarabischen Bevölkerungsgruppen wie den Massalit, Zaghawa und Fur, um diese systematisch zu demütigen und einzuschüchtern.

Die Übergriffe beschränken sich dabei keineswegs auf die aktiven Kampfzonen. Notfallkoordinatorin Ruth Kauffmann berichtete, dass allein in Süd-Darfur ein Drittel der betroffenen Frauen bei der Feldarbeit angegriffen wurde, weitere 20 Prozent beim Holen von Wasser oder Feuerholz. Besonders alarmierend: Ein Fünftel der Überlebenden sind Minderjährige, darunter sogar Mädchen unter fünf Jahren. "Auch Kinder stehen im Zentrum dieser Krise", warnte Laaroussi.

Stigmatisierung männlicher Opfer

Der Bericht hebt hervor, dass mehr als 90 Prozent der Überlebenden von bewaffneten Männern angegriffen wurden, häufig im Rahmen von Gruppenvergewaltigungen. Während Frauen und Mädchen die Hauptzielgruppe sind, machen Männer und Jungen drei Prozent der Opfer aus. Gloria Endres, eine in Nord-Darfur eingesetzte MSF-Vertreterin, wies darauf hin, dass es für männliche Opfer aufgrund der extremen Stigmatisierung noch weitaus schwerer sei, über das Erlebte zu sprechen und Hilfe zu suchen.

Mangelnde medizinische Versorgung und neue Frontlinien

Der Zugang zu medizinischer Hilfe bleibt dramatisch schlecht. Die Hebamme Andêza Trajano berichtete, dass Ärzte ohne Grenzen eine der wenigen Organisationen vor Ort sei, die zivile Überlebende spezifisch unterstützen könne. Viele Opfer müssen nach der Tat stundenlang zu Fuß gehen, um eine Klinik zu erreichen. Die humanitäre Krise wurde durch die Einnahme von Al-Faschir, der Hauptstadt Nord-Darfurs, im vergangenen Oktober weiter verschärft. Nach eineinhalb Jahren Belagerung war der Fall der Stadt von "unvorstellbarer Brutalität" geprägt. Fliehende Zivilisten wurden häufig vor den Augen ihrer Angehörigen misshandelt.

Der Sudan, ein Land mit rund 48 Millionen Einwohnern, wird seit fast drei Jahren von einem Bürgerkrieg zerrissen. Die reguläre Armee unter De-Facto-Staatschef Abdel-Fattah al-Burhan kämpft gegen die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo. Da sich die Frontlinien nun von Darfur in die zentralen und südlichen Kordofan-Regionen verlagern – wo ebenfalls nichtarabische Gruppen leben – befürchtet MSF weitere Gräueltaten. Bislang sind alle Bemühungen um eine dauerhafte Waffenruhe gescheitert, während Millionen Menschen in einer der schwersten humanitären Krisen der Gegenwart vertrieben bleiben.

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