Unterstützt die Ukraine Tuareg-Rebellen in Mali? Experten sehen riskantes Bündnis
Ukrainische Drohnenspezialisten sollen Tuareg-Rebellen im Norden Malis unterstützen, die gemeinsam mit Dschihadisten gegen die Militärregierung und russische Kräfte kämpfen. Laut einer CNN-Recherche vom September 2026 sind rund 15 ukrainische Spezialisten beteiligt. Die Deutsche Welle fragte, wie verlässlich diese Informationen sind und welchen Preis Kiew für ein Engagement in Afrika zahlen könnte.
Hintergrund: eine Offensive im April
Im April 2026 starteten Tuareg-Separatisten und Dschihadisten eine Offensive gegen Malis Regierung und Russlands Afrika-Korps. Kidal und andere Orte im Norden gerieten unter ihre Kontrolle. Die separatistische Azawad-Befreiungsfront (FLA) arbeitet mit der JNIM zusammen, einer mit al-Qaida verbundenen dschihadistischen Gruppe.
Marta Oliynyk-D'omochko, Koordinatorin des Programms für Afrikastudien an der Kyjiwer Mohyla-Akademie, sieht ein klares strategisches Motiv: „Das Hauptinteresse der Ukraine ist es, Russlands Einfluss in der Welt zu schwächen.“ Auch die russische Historikerin Irina Filatova, emeritierte Professorin an der Universität KwaZulu-Natal, hält eine ukrainische Unterstützung der Tuareg für plausibel, hat aber keine eigenen Beweise.
Was bekannt ist und was nicht
Im Juli 2024 berichtete die DW über eine mögliche Rolle des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR) bei einem Hinterhalt auf Wagner-Kämpfer bei Tinzaouaten im Norden Malis. HUR-Sprecher Andrii Yusov sagte damals, die Rebellen hätten die für den Angriff nötigen Informationen erhalten; die Ukraine bestritt eine direkte Beteiligung an den Kämpfen.
Am 7. September schrieb Kyrylo Budanov, der frühere HUR-Chef und jetzige Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, auf X, der ukrainische Geheimdienst schütze die Interessen des Landes weltweit — „von Russland bis Afrika, im heißen Wüstensand ebenso wie im Eis der Antarktis“. Mali erwähnte er nicht, und der Beitrag bestätigt keine konkrete Operation. Unklar ist, ob die Hilfe Ausbildung und technische Beratung umfasst oder auch den Austausch von Geheimdienstinformationen und die Koordinierung von Angriffen. Die DW bat den HUR um eine Stellungnahme, doch eine Sprecherin versprach Informationen zu einem späteren Zeitpunkt.
Ein situatives Bündnis
Oliynyk-D'omochko betont, die Zusammenarbeit mit den Tuareg sei kein umfassendes Bündnis: Die FLA wolle nicht die Regierung in Bamako ersetzen, sondern strebe Selbstbestimmung oder weitgehende Autonomie im Norden an. „Es ist eher ein situatives Bündnis mit einem gemeinsamen Gegner“, sagt sie. Die JNIM verfolge ein islamistisches Projekt, daher würde eine mögliche Unterstützung der FLA nicht beweisen, dass die Ukraine die JNIM direkt unterstützt, auch wenn Dschihadisten indirekt profitieren könnten.
Ulf Laessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung merkt an, Russland weite seine Aktivitäten in Afrika weiter aus und nutze Syrien und Libyen als Zwischenstopps für Flüge. Für Kiew könnte es daher attraktiv sein, russische Kräfte in Afrika unter Druck zu setzen.
Politische Risiken für Kiew
Mali, Niger und Burkina Faso werfen der Ukraine vor, bewaffnete Gruppen zu unterstützen, und haben die diplomatischen Beziehungen zu Kiew abgebrochen. Malis Außenminister Abdoulaye Diop warf der Ukraine im September vor der UNO vor, terroristische und kriminelle Gruppen zu unterstützen; die Vorwürfe bedürfen einer unabhängigen Überprüfung. Weder Filatova noch Oliynyk-D'omochko haben klare Beweise gefunden. Oliynyk-D'omochko warnt, eine Zusammenarbeit mit Separatisten könnte dem Versprechen der Ukraine widersprechen, gleichberechtigte Partnerschaften mit afrikanischen Staaten zu pflegen. Mehr in den Weltnachrichten.
