Während die Ukraine stetig auf die Mitgliedschaft in der Europäischen Union zusteuert, verlagert sich die Hauptlast der Integration von den Parlamentssälen auf die lokalen Gemeinden. Am 17. März erhielt die Ukraine offiziell die Benchmarks der Europäischen Kommission, in denen die Verpflichtungen für alle 35 Verhandlungskapitel detailliert aufgeführt sind. Experten warnen jedoch, dass die wahre Herausforderung nicht nur in der Verabschiedung von Gesetzen liegt, sondern in deren praktischer Umsetzung vor Ort.
Die praktische Realität der EU-Integration wird vielleicht am deutlichsten im Umweltsektor sichtbar. Die Anpassung an europäische Standards erfordert weitaus mehr als nur legislative Aktualisierungen. Beispielsweise muss die Ukraine etwa 200 moderne Abfallverarbeitungsanlagen bauen, von denen jede über 30 Millionen Euro kostet. Darüber hinaus stehen die Kommunen vor folgenden Aufgaben:
Laut dem Europäischen Ausschuss der Regionen wirken sich mehr als 70 % der EU-Gesetzgebung direkt auf die kommunale Selbstverwaltung aus. Angesichts der stark dezentralisierten Struktur der Ukraine könnte dieser Wert sogar noch höher liegen. Der Großteil dieser Verantwortlichkeiten fällt in die Bereiche Umweltschutz, Regionalpolitik, ländliche Entwicklung, Verkehr, Energie und öffentliches Beschaffungswesen.
Die Kommunen müssen die Kompetenzen ihrer Fachleute drastisch erweitern. Vielen lokalen Gemeinden fehlen derzeit grundlegende Verbraucherschutzabteilungen oder interne Finanzkontrollorgane, die für die Verwaltung von EU-Fördermitteln erforderlich sind. Darüber hinaus werden die Anforderungen der EU an den freien Wettbewerb eine Änderung bei der Erbringung von Dienstleistungen erzwingen. Die Kommunalverwaltungen müssen offene öffentliche Ausschreibungen für Sozial- und Verkehrsdienstleistungen durchführen, die derzeit von kommunalen Unternehmen monopolisiert werden, und dabei komplexe nicht preisbezogene Kriterien für die Auswahl der Gewinner einführen.
Trotz dieser massiven neuen Aufgaben leiden die Kommunalverwaltungen unter einem gravierenden Mangel an Finanzmitteln und qualifiziertem Personal. Ohne eine solide finanzielle Basis und wettbewerbsfähige Gehälter könnte das Integrationsmandat zu einer unüberwindbaren Hürde werden.
Historische Präzedenzfälle bieten eine deutliche Warnung. In den ersten Jahren ihrer EU-Mitgliedschaft musste Rumänien Milliarden von Euro zurückzahlen, weil den lokalen Behörden die Kapazitäten fehlten, um Gelder effektiv zu verwalten und Projekte durchzuführen. Ein Versäumnis, diese grundlegenden Probleme in der Ukraine anzugehen, könnte eine Umkehrung der Dezentralisierung auslösen und die Macht wieder auf die nationale Ebene verlagern.
Derzeit wird die systematische Vorbereitung der Kommunalverwaltungen auf die EU-Integration weitgehend von internationalen Projekten und nicht von staatlichen Initiativen vorangetrieben. Eine entscheidende Frage bleibt: Können sich die lokalen Kommunen erfolgreich für ihre Rolle im Integrationsprozess einsetzen?
Gegenwärtig scheint die ukrainische Regierung die Bedeutung der lokalen Behörden bei diesen Verhandlungen zu unterschätzen. Vertreter der kommunalen Selbstverwaltung sind nur teilweise in Kapitel 22 eingebunden, das die regionale Entwicklung abdeckt. Im krassen Gegensatz dazu bezieht Serbien – ein Land mit einer längeren Geschichte von EU-Verhandlungen – Vertreter der Kommunalverwaltungen in Diskussionen zu 11 verschiedenen Kapiteln ein.
Die Einbeziehung kommunaler Verbände in den Verhandlungsprozess liefert dem Staat stärkere Argumente, insbesondere wenn Übergangsfristen für monumentale Aufgaben wie die Schließung von Mülldeponien beantragt werden. Eine effektive Teilnahme erfordert jedoch tiefgreifende, datengestützte Forschung und die Fähigkeit, direkt mit den EU-Institutionen zu kommunizieren – eine Notwendigkeit, die durch die derzeitigen Reisebeschränkungen für europäische Beamte noch verstärkt wird.
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