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Matthias Blübaum: Der Außenseiter, der die Schach-Elite herausfordert

📅 Mar 30, 2026⏱ 3 Min. Lesezeit💬 0 Kommentare

Ein unerwarteter Herausforderer

Der deutsche Großmeister Matthias Blübaum ist in der internationalen Schachszene längst eine feste Größe. Dennoch rechnen nur wenige mit seinem Sieg beim bevorstehenden Kandidatenturnier. Wenn das prestigeträchtige Event in drei Wochen beginnt, geht es um den ultimativen Preis: ein Titel-Match gegen den amtierenden indischen Weltmeister Gukesh Dommaraju.

Selbst der deutsche Schach-Bundestrainer Jan Gustafsson räumt Blübaum für das Turnier auf Zypern lediglich eine dreiprozentige Siegchance ein. Der Weltranglistenzweiunddreißigste fühlt sich in seiner Rolle jedoch sichtlich wohl. "Es kann nur ein einziges Ziel geben, auch wenn man Underdog ist", betont Blübaum. "Man muss versuchen, um den ersten Platz zu spielen."

Das Kräftemessen auf Zypern

Der Weg zur Weltmeisterschaft wird den Spielern alles abverlangen. Das Turnier findet vom 28. März bis zum 15. April 2026 im Küstenort Pegia im Westen Zyperns statt. Auf dem Programm stehen 14 Runden, in denen jeder Teilnehmer zweimal gegen jeden antritt.

Blübaum trifft dabei auf die absolute Weltelite des Schachsports. Zu seinen Konkurrenten zählen:

  • Fabiano Caruana (USA) - Ehemaliger Vize-Weltmeister und Top-Favorit
  • Wei Yi (China) - Elite-Großmeister
  • Praggnanandhaa Rameshbabu (Indien) - Hochtalentierter Jungstar
  • Javohir Sindarov (Usbekistan) - Aufstrebendes Ausnahmetalent

Vom Spott zum Twitch-Star

Vor einigen Jahren bezeichnete ein Konkurrent Blübaum abfällig als "keinen sehr starken Spieler". Anstatt sich darüber zu ärgern, bewies der Deutsche Selbstironie und nutzte genau diesen Satz als Namen für seinen Twitch-Kanal. Zur Freude seiner stetig wachsenden Fangemeinde streamt Blübaum dort regelmäßig seine Partien – und konnte zuletzt immer wieder Siege gegen die absolute Weltspitze präsentieren.

Dass er zu Recht beim Kandidatenturnier antritt, hat Blübaum eindrucksvoll bewiesen. Mit einem sensationellen zweiten Platz beim "Grand Swiss"-Turnier im September 2025 sicherte er sich das Ticket und verbaute damit gleichzeitig dem deutschen Top-Ten-Spieler Vincent Keymer die WM-Qualifikation. Auch bei seinem Debüt im niederländischen Wijk aan Zee, dem sogenannten "Wimbledon des Schachs", mischte der lange unterschätzte Lemgoer vorne mit und feierte einen viel beachteten Sieg gegen Weltmeister Gukesh.

Mathematik und Strategie

Blübaums aktueller Höhenflug kommt für viele überraschend, auch wenn sein Talent früh erkennbar war. Das Schachspielen lernte er von seinem Vater, einem starken Vereinsspieler. "Matthias war von Anfang an sehr fleißig", erinnert sich Matthias Krallmann, der Blübaum ab 2005 ein Jahrzehnt lang trainierte.

Im Gegensatz zu Vincent Keymer, der nach dem Abitur sofort den Weg ins Profilager wählte, entschied sich Blübaum zunächst für ein Mathematik-Studium. Lange Zeit spielte er Schach nur als Halbprofi. Dieser ausbalancierte Lebensweg findet heute prominente Fürsprecher.

"Ich finde es gut, wie Blübaum seinen Weg geht", lobt der norwegische Großmeister Simen Agdestein, einst Jugendtrainer von Schach-Legende Magnus Carlsen. "Spitzenschach ist unheimlich anstrengend, und da ist es gut, wenn man auch ein Leben jenseits des Schachbretts hat." Agdestein weiß, wovon er spricht: In den Neunzigerjahren war der Norweger nicht nur Schach-Großmeister, sondern spielte parallel als Fußballprofi für die Nationalmannschaft seines Landes.

Agdestein sieht in diesem ganzheitlichen Ansatz auch das Geheimnis des norwegischen Sportsystems. Dort werde weniger Wert auf frühe Spezialisierung gelegt, sondern vielmehr auf ein intaktes soziales Umfeld, in dem sich junge Talente individuell und ohne Druck entfalten können.

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