
Portugals Tourismusboom zeigt erste ernste Risse. Nach Jahren stark steigender Besucherzahlen stagniert die Branche 2026. Hoteliers, Wirte und Ökonomen warnen, dass die auf immer neue Rekorde gebaute Strategie an Grenzen stößt, berichtet Deutsche Welle.
Das Statistikinstitut INE registrierte 2024 noch 9,3 Prozent mehr Ausländer, 2025 nur noch 3,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 3,1 Prozent mehr Besucher, zwei Prozent mehr Übernachtungen und 7,7 Prozent mehr Einnahmen, sagt André Gomes, Vorsitzender des Interessenverbandes der Region Algarve.
Portugal empfängt rund 30 Millionen ausländische Gäste pro Jahr, etwa das Dreifache der eigenen Bevölkerung. 2025 gaben Urlauberinnen und Urlauber 29,4 Milliarden Euro aus, 11,8 Prozent des BIP. Wirtschaftsprofessor João Duque warnt, das Land habe "offensichtlich die Grenzen des Tourismuswachstums erreicht", ohne einen Plan zu haben.
Auf der Straße ist der Druck spürbar: Sonnenschirm und Liege an einem Algarve-Strand können 200 Euro am Tag kosten, ein Restaurantbesuch überschreitet oft 100 Euro pro Person. "Ausländische Gäste bestellen das Billigste auf der Karte und teilen sich oft ein Gericht", klagt Celeste Botelho, Wirtin im Surferort Nazaré.
Die Politik plant weiter auf Wachstum. Lissabons neuer Flughafen, geplant für Mitte der 2030er-Jahre, soll mindestens 56 Millionen Passagiere im Jahr bringen. In Lissabon und Porto sind rund 200 Hotelneubauten mit etwa 11.000 Zimmern genehmigt. Duque rechnet mit Überkapazitäten, selbst wenn nur ein Teil gebaut wird.
Die Deutschen sind mit rund elf Prozent der Gäste nach den Briten die zweitwichtigste Urlaubergruppe für Portugal.
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