Mit einem Straßenfest rund um den Jüdischen Campus in Wilmersdorf, Live-Musik, jüdischer Küche und einem Festakt begeht die Chabad-Gemeinde Berlin dieses Wochenende ihr 30-jähriges Bestehen. Höhepunkte sind der Beginn einer neuen, vollständig in Deutschland handgeschriebenen Tora sowie eine Virtual-Reality-Präsentation der geplanten neuen Zentralsynagoge.
Rabbiner Yehuda Teichtal, der vor drei Jahrzehnten aus New York kam, erklärte gegenüber der DW, warum ein Neubau unausweichlich sei. Die aktuelle Synagoge fasst 200 Personen — an normalen Wochenenden sind alle Plätze belegt. Bei Familienfeiern drängen sich manchmal 300 bis 400 Menschen ins Gebäude, zu den Hohen Feiertagen kommen bis zu 1000 Gläubige.
Auf dem bestehenden Gelände soll eine neue Synagoge mit bis zu 600 Plätzen entstehen. Der Baustart ist für 2028 geplant, die Fertigstellung für 2030. Finanziert wird das Projekt unter anderem durch den Bund, die Lotto-Stiftung Berlin und private Spenden. Aus dem Staatsvertrag des Landes Berlin mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erhält Chabad derzeit keine Mittel — ein entsprechender Rechtsstreit ist noch nicht abgeschlossen.
Die Chabad-Gemeinde zählt rund 4000 Mitglieder und unterhält Synagogen in Alexanderplatz, Friedrichshain und anderen Stadtteilen. Der 2023 eröffnete Jüdische Campus umfasst einen Kindergarten sowie eine Schule von der ersten Klasse bis zum Abitur. Rund 80 Prozent des Personals sind nicht jüdischen Glaubens, ebenso viele der Kinder. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eröffnete Teichtal zudem das einzige jüdische Flüchtlingsheim Deutschlands.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ließ in ganz Berlin — in Kreuzberg ebenso wie am Kurfürstendamm — Werbetafeln aufstellen, auf denen sie der Gemeinde gratuliert und jüdisches Leben als "Teil des Fundaments, auf dem dieses Land steht" würdigt.
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